Finnland (2) 🇫🇮

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Finnland (2) 🇫🇮

Zweieinhalb Wochen Gelb gestrichen und gesegelt! Workaway Nummer drei.

Datum: 30.06.2023 // Ort: Lefkada

Am 23. August erreichte ich die kleine Farm von Carl in Vantaa! Carl hatte tolle Bewertungen und Feedbacks bei Workaway und ich war zuversichtlich, dass die nächsten zweieinhalb Wochen lustig werden. Er begrüßte mich freundlich und führte mich sofort herum. Eigentlich hatte ich mit ihm abgemacht, dass ich in seinem Wohnwagen übernachten werden. Leider hatte er aber unter dem Dach doch noch ein Zimmer freigeräumt, beziehungsweise war er gerade dabei. Und ich hatte mich schon auf das „Leben im kleinen Wohnmobil“ gefreut. Das Haus wurde gerade und musste noch renoviert werden. Nachdem seine Mutter vor einem halben Jahr verstorben war, hat er das Haus beziehungsweise das gesamte Grundstück übernommen oder besser gesagt bekommen. Eigentlich wollte er das glaube ich gar nicht so richtig. Er hatte sich nämlich extra das kleine Wohnmobil gekauft, um damit zu in den Süden zu fahren. Carl ist in seinem Leben schon viel herumgekommen. Hat hier und da mal gelebt und sich immer so durchgeschlagen. Nun ist er aber hier und versucht neben seinem Hauptjob als Theater Director und Yoga Lehrer das Haus zu renovieren. Während der Zeit bei ihm stellte, sich dann immer mehr heraus, dass seine Mutter auch nichts wegschmeißen konnte und wollte. Um es platt zu sagen, das Haus und die zwei kleinen Scheunen sahen nach Messi aus. Im Keller, wo die Dusche ist, war auch mal eine Sauna. Die musste Carl aber direkt am Anfang herausreißen, da sie komplett verschimmelt gewesen war. Der Großteil des Boden nebenbei auch.
Mein Zimmer war trotzdem mit Liebe hergerichtet, sauber und Carl versuchte für seine Gäste alles zu ermöglichen. Alles Nötige war da und außerdem lag das Haus direkt an einem Nationalpark. Man hatte also unberührte Natur und viele Wanderwege! Ich freute mich auf die kommenden Tage, die Gegend zu erkunden!

Carl war sehr offen, spontan und hatte einen trockenen Humor. Nebenbei erzählte er mir, dass heute Abend eine Familie aus Italien für eine Nacht mit Ihrem Wohnmobil vorbeikommen würde. Sie wollten zwei Fahrräder hier parken, da Ihnen der Fahrradträger gebrochen war und sie noch weiter in den Norden mussten!
Ich bezog mein Zimmer und sortierte erstmal meine Sachen. Lud mein Motorrad ab und legte mein Zelt, den Schlafsack und die Isomatte offen zum Lüften hin.
Zusammen mit Carl bereitet ich dann das Essen vor und deckte den Tisch.
Kurz danach fuhr Wohnmobil in die Einfahrt! Sandro und seine Frau Ersilia stiegen aus und Ihre beiden Kinder Giacomo und Anita sprangen aus der Seitentür. Wir begrüßten uns herzlich! Ich half Sandro dabei, das Wohnmobil noch eben auf die kleinen Rampen zu manövrieren. Carls Einfahrt ging nämlich leicht nach unten und so wären sie nachts aus dem Bett gerollt. Aus dem mal eben wurden dann eine halbe Stunde … das Wohnmobil war etwas überladen und schon zu schwer für die eingebauten Stelzen. Auch die kleinen Rampen hatten in dem Kies schwer zu kämpfen. Nach kurzer Zeit klappten diese also hoch und klemmten nun unter den Achsen fest. Also mussten wir das Wohnmobil wieder frei graben, legte große Holzbretter darunter und versuchten das ganze von vorne. Diesmal klappte es!
Zusammen am Tisch erzählten die beiden von Ihrem Projekt und was es mit der Reise auf sich hat.
Die vier sind seit Anfang des Sommers unterwegs und wollen bis hoch zum Nordkap. Sie haben Ihre Kinder aus der Schule genommen und möchten sie unterwegs unterrichten. Ihr Projekt zielt darauf ab zu zeigen, dass es besser (gerade für Kinder) ist, sich die Geschichte „in Wirklichkeit“ anzuschauen und nicht nur in Büchern zu lesen.
Über Ihre Reise wollen Sie einen Dokumentarfilm drehen, mit Interviews von Menschen, die die ähnlichen Ansichten haben oder es schon seit vielen Jahren zu machen. Außerdem schreiben Sie auch einen Blog auf Ihrer Website: https://orizzontidigioia.com
selbstverständlich hatten Sie noch eine Flasche italienischen Wein dabei …

Am nächsten Morgen startet ich gehe 10 Uhr mit Carl zusammen, das Haus von außen abzuschleifen beziehungsweise die alte Farbe herunterzukratzen. Obwohl innen drin einiges zu tun war, wollte er unbedingt zuerst das Haus von außen neu streichen. So würde er sich wieder freuen nachhause zu kommen und müsste sich nicht immer das graue und ausgeblichene Haus anschauen.
Die Hauptfarbe war gelb und die Konturen sollten weiß werden. An einigen Stellen war die Farbe schon so alt, dass man größere Stücke einfach abziehen konnte. In Badehose und mit Flipflops stand ich also die kommenden Tage auf der Leiter und versuchte mit Drahtbürste, Besen und Schaber die alte Farbe zumindest zum größten Teil abzubekommen.

Zum Wochenende kamen dann noch Gabi und Anna auf die kleine Farm. Anna kam aus Portugal und Gabi aus Vilnius in Litauen. Die beiden hatten sich diesen Sommer in einem Hostel in Portugal kennengelernt, wo sie zusammen gearbeitet haben. Kurz danach haben sie dann beschlossen weiter zu reisen. Gabi studiert und arbeitet in Kopenhagen, Anna möchte die nächste Zeit in Helsinki verbringen. Die beiden planten für eine Woche hier zu bleiben und bei der Haus Renovierung zu unterstützen. Mittags bereiten die beiden immer das Mittagessen zu. Da Anna sich vegan ernährte, wurde also immer vegan gekocht. Generell hatte Carl immer viel frisches Gemüse und Obst da. Es waren wirklich zwei sehr gesunde Wochen! Freitagnachmittag bekamen wir von Carl eine Nachricht, ob wir nicht Lust hätten am Wochenende mit seinem Segelboot auf die Insel Pentala nahe Helsinki zu seinem Sommerhäuschen zu segeln. Die Wetter App zeigte 25 Grad und Sonne an! Am nächsten morgen packten wir unsere Sachen für eine Nacht und machten uns mit Bus und Bahn auf den Weg zu einem kleinen Nebenhafen in Helsinki. Das Bus bzw. Bahnticket konnte man übrigens ganz einfach über eine App online kaufen. Wenn ich mich recht erinnere, konnte man für 5 €, 90min so weit fahren wie man wollte.
Wir gingen noch einkaufen und liefen dann zu dem kleinen Segelboot. Da es leider nicht wirklich windig war, fuhren wir erstmal ein ganzen Stück mit dem Motor. Man hatte vom Wasser aus einen tollen Blick auf die Stadt!

Die letzte Strecke konnten wir dann aber immerhin mit dem Vorsegel segeln. Zwischen mehreren kleinen Insel legte wir an einem alten Steinsteg an. Daneben war ein kleiner Strand mit zwei Bänken und einem Tisch. Stand-up Paddelboards lagen dort auch. Nah am Wasser stand ein großes Haus, was Carls Tante und seine Cousins gehörte. Da hinter Stand ein etwas kleineres Häuschen mit einem Gemüsebeet. Dort übernachteten Carl, Gabi und Anna. Ich hatte meine eigene kleine Hütte mit einem großen Bett, etwas vor dem Haus.
Nachdem wir etwas aufgeräumt hatten bereiteten wir zusammen das Abendessen vor, trugen alles vor zu dem kleinen Strand und guckten der Sonne entgegen aufs Wasser. Nachdem die Sonne untergegangen ist, starteten wir noch die kleine Sauna und sprangen unterm Sternenhimmel noch ein paar mal zur Abkühlung ins Wasser.

Am nächsten Morgen schien die Sonne schon früh durch die Gardinen und man merkte sofort, dass es wieder ein warmer Sommertag werden würde. Nachdem Frühstück am Strand schnappten Gabi und ich uns die Stand-up Paddelboards und paddelten an der Insel ein wenig westlich herum. Es sollte der letzte Sommertag für die nächsten Wochen werden und somit verbrachten wir den ganzen Tag draußen. Nachdem wir wieder zurückgepaddelt waren, machten wir noch einen Spaziergang über die Insel Pentala. Auf der anderen Seite war nämlich ein kleiner Hafen mit einem kleinen Dorf. Als Tourist konnte man mit einem Ausflugsboot von Helsinki hier her fahren. Dort gab es außerdem auch eine Eisdiele, ein Museum und ein Inselshop. Da Carls Familie schon seit zwei Generationen auf der Insel teilweise lebt, ist er in der kleinen Gemeinde gut integriert und kennt dort viele Leute. Er erstellt zudem auch jährlich ein kleines Buch mit Informationen und Veranstaltungen auf der Insel. Hierfür sind wir auf dem Rückweg noch bei einem alten Haus vorbeigegangen, wo ich ein paar Bilder von der Fassade und einem für das Haus bekannte Logo machen durfte, die später dann in das Buch abgedruckt werden.
Zum Mittagessen stießen dann noch zwei Freunde von Carl sowie seine Tante und sein Onkel dazu. Zusammen saßen wir wieder auf dem kleinen Strand und aßen gemeinsam.
Immer mehr stellte sich heraus, dass es am Abend leider stark gewittern sollte. Also beeilten wir uns ein bisschen … als wir ablegten, konnte man am Horizont schon dunkle Wolken auf das Festland zukommen sehen. Immerhin war es nun richtig windig. Carl wollte aber trotzdem nicht segeln, sondern die ganze Strecken wieder mit dem Motor fahren. Schnell wurde es auch dunkel und langsam bemerkten wir auch, dass wir wirklich mittlerweile die einzigen auf dem Wasser waren. Ab und an flog nochmal eine Yacht mit voll Speed vorbei, das war es dann aber auch. Die Dunkelheit machte es auch nicht leichter zu navigieren. Da wie gesagt auch keine anderen Boote auf dem Wasser waren, konnte man auch nicht wirklich eine Fahrrinne nachvollziehen. Der Rückweg hat echt ewig gedauert. Ein kleines Stück sind wir dann sogar nochmal zurück um eine andere Insel herum, um nicht direkt in das Gewitter zu fahren. Nach einigen Stunden auf dem Wasser haben wir es dann aber dennoch unbeschadet zurück in den Hafen geschafft. Schnell Klarschiff gemacht und zurück zum Bahnhof gelaufen. Dort konnten wir dann eine der letzten U-Bahnen nehmen. Da Carl von der Rückfahrt und dem Gewitter etwas gestresst war, orderte er kurzerhand ein Taxi, was uns vor seinem Haus absetzte. Gegen ein Uhr morgens fiel ich dann ins Bett. Das war ein cooles Wochenende!

Anna und Gabi blieben dann noch bis Mittwoch und gemeinsam arbeiteten wir die zusammen an dem Haus weiter.
Gabi steckte mir dann noch das Sie für Anna am Montagabend noch ein Geburtstagkuchen backen wollte. Das war ein witziger Zufall! Anna hatte also genau an dem gleichen Tag wie ich Geburtstag! Also feierten wir am morgen etwas zusammen! Carl hatte noch spontan ein bisschen Gebäck organisiert und uns Frühstück gemacht. Dass ich irgendwann mal in der Nähe von Helsinki auf einer kleinen alte Farm in einer stark renovierungsbedürftigen Küche meinen Geburtstag mit noch jemanden zusammen feiern darf, hätte ich auch nicht gedacht! Es war komisch, aber trotzdem schön!

 

Die Woche verging wie im Flug. Mittlerweile war es ziemlich kalt geworden und mit den Flip-Flops auf die Leiter ging auch nicht mehr. Langweilige war es aber auch nie. Donnerstagabend, ich war gerade duschen, wollte Carl den Ofen anmachen. Da der Schornstein aber schon länger nicht mehr gereinigt wurde, kam der Rauch zurück. Ich hörte nur, wie im ganzen Haus auf einmal die Rauchmelder angingen. Es hatte tatsächlich so eine Rauchentwicklung gegeben, dass es selbst im Keller ein bisschen nebelig war. Den Abend verbrachten wir dann nicht am Feuer, sondern in warmen Klamotten, da wir erstmal das ganze Haus durchlüften mussten.
Über das Wochenende war ich alleine in Carls Haus. Er musste bei einem Freund auf die Tiere aufpassen, da diese spontan über das Wochenende wegmussten. Samstag erkundete ich den Nationalpark und machte eine große Wanderung! Den ganzen Sonntag verbrachte ich damit, mein Motorrad mal wieder richtig sauberzumachen und für die nächste Etappe alles mal zu kontrollieren. Es war gut, auch mal wieder Zeit drinnen zu verbringen und einfach nur auf dem Sofa liegen zu können.
Am Montag reiste dann Aleksandra aus Polen an. Sie studiert und hatte gerade Semesterferien. Sie wollte immer schonmal nach Finnland und hatte mit Workaway nach einer günstigen Urlaubsmöglichkeit gesucht. In Polen half sie gerade Ihrer Schwester und dessen Freund beim Hausbau. Da das Haus noch nicht fertig ist, schläft sie dort aktuell im Zelt. Aleksandra blieb für zwei Wochen. Einen Tag später kamen dann noch Sarah und Antoine aus Frankreich dazu. Die beiden brachte als Gastgeschenk französischen Wein aus Ihrer Region mit.

Wir waren eine coole Gruppe! Mittwochnachmittag nach der Arbeit wanderten wir zusammen zu einer nahegelegten Sauna beziehungsweise man könnte schon Saunalandschaft sagen, die direkt an einem See lag.

Da wir uns super verstanden, war es schade, dass ich nur noch für ein paar Tage dort blieb.
Aber die Reise sollte weiter gehen, denn Donnerstag landete mein Kumpel Olli in Helsinki. Um uns über das Wochenende dann Helsinki anzuschauen, hatte ich versucht über Couchsurfing einen Platz zum Schlafen für uns zu organisieren. Es war nicht leicht, ein Couchsurfing Host für zwei Personen zu finden. Jakob bestätigte mir dann aber doch die Übernachtungen bis Sonntag. Danach ging es dann für uns für circa zwei Wochen „rauf aufs Land“ zu einem guten Bekannten von Ollis Bruder. Aber dazu später mehr.
Mittwochmittag traf ich mich dann mit Jani, dem bekannten von Olli’s Bruder. Olli’s Bruder hatte bei ihm mal einen alten Käfer gekauft. Seitdem stehen die beiden im regelmäßigen Kontakt. Da Olli ja einen Helm benötigte und ich Platz auf meinem Motorrad für eine weitere Person brauchte, fuhr ich also zu Jani’s Arbeit, eine halbe Stunde entfernt. Er sagte mir, dass wir uns auf dem Parkplatz vor der Firma treffen würden. Seinen Käfer würde ich zwischen den „ganzen neuen Mercedes und BMWs schon finden!“. Und das war auch so. Nach einem kurzen Smalltalk tauschte ich ein Großteil meiner Campingausrüstung gegen den Helm. Es war ziemlich komisch, die Sachen abzugeben. Ohne Topf, Gaskocher, Zelt und Isomatte fühlte sich das irgendwie komisch an. Das Zelt war immer meine Notfall Lösung, falls ich in einer Stadt bzw. einem Ort keinen Schlafplatz gefunden hatte. Nun musste ich darauf vertrauen, dass Jakob in Helsinki auf uns wartete.

Donnerstagmittag, nach dem Mittagessen, machte ich mich dann auf den Weg nach Helsinki. Es war eine tolle Zeit bei Carl und es war schön mal wieder was mit anderen zu unternehmen. Auch die Arbeit war cool! In der Sonne eine Haus gelb anzumalen hatte was Meditatives. Ich hatte viel neue Musik und Podcast während dessen gehört. Sogar ab und an auch mal ein bisschen „Sport“ gemacht, damit der Rücken wieder einigermaßen gerade wird. Ich wäre gerne noch geblieben, aber es muss ja auch weitergehen. Zusammen mit zwei Freunden von Carl saßen wir dann noch draus im Garten und haben Mittagessen. Mittlerweile war die ganze Vorderseite schon fertig gestrichen. Es war gut zu sehen, was wir in den zweieinhalb Wochen geschafft hatten!

Dieser Beitrag hat einen Kommentar

  1. Olaf Stellbrink

    Hey mein Kleiner
    Das war mal wieder sehr interessant und fesselnd geschrieben
    Ich freue mich immer noch für dich das du soviel erleben kannst und darfst ( durftest )👍
    Pass auf dich auf 😉

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